Interpretation holozäner Alpensteinbock-Skelettfunde

Martin Trüssel

In den Karsthöhlen der Randkette zwischen Flühli und Pilatus wurden zahlreiche Alpensteinbock-Skelettreste (Capra ibex) gefunden. Zum Teil befanden sich die Fundorte hinter Engstellen, die zuerst aufgegraben werden mussten, andere lagen bis zu 300 m im Höhleninnern. Da stellt sich die Frage, wie die Knochen dorthin gekommen sind. Deshalb wurden alle Fundsituationen systematisch untersucht und von acht ausgewählten Individuen Radiokarbondatierungen (C14) vorgenommen. Das Ergebnis: Diese Alpensteinböcke haben vor 3500 bis 10’700 Jahren gelebt. Offenbar war schon vor Jahrtausenden die an das Mittelland angrenzende Gebirgskette zwischen Pilatus und Brienzer Rothorn bei den Alpensteinböcken beliebt. Im vorliegenden Beitrag werden Thesen formuliert, wie unter den damaligen Gelände- und Klimaverhältnissen die Individuen bzw. deren Knochen in die Höhlen gelangt sind. Parallel dazu wurde das Knochenmaterial zur DNA-Untersuchen zur Verfügung gestellt. Diese geben wertvolle Informationen zur Evolutionsbiologie des damaligen «Ur-Alpensteinbocks» im Vergleich zu den heutigen, wieder angesiedelten Kolonien.