Sekundär bestattet oder „entsorgt“?

Thomas Sterenberger

Im hintersten und schwer zugänglichen Abschnitt der Oberen Höhle Procha Burg waren in den 1970er- und 1980er-Jahren bei Raubgrabungen menschliche Knochen geborgen worden. Die Höhlenfundstelle im St.Galler Rheintal galt fortan als jungsteinzeitliche Bestattungshöhle. Zweifel an der Interpretation der Fundstelle als Begräbnisstätte führten ab 2016 zu einer Nachuntersuchung durch die Kantonsarchäologie SG unter Einbezug der Umgebung der Höhle. Erste Ergebnisse der Nachuntersuchung zeigen, dass die menschlichen Knochen von mindestens 14 Individuen stammen und über eine Zeitspanne von über 3500 Jahren – von der Jungsteinzeit bis in die jüngere Eisenzeit – datieren. Vertreten sind alle Alterskategorien (3 Monate bis 50 Jahre), die weiblichen Individuen sind häufiger vertreten. Die Fundlage der Knochen spricht dafür, dass die menschlichen Skelettreste einst von oben durch eine offene Spalte in den hintersten Höhlenbereich gelangt waren. Bei den menschlichen Gebeinen könnte es sich daher um den Abraum von Gräbern handeln, die ausserhalb der Höhle angelegt worden waren. Auch eine Interpretation als Überreste von Sekundärbestattungen oder rituellen Deponierungen wäre denkbar.